Besucht:20. Juli 2018
Geschichte:Das Kollektivhaus (Koldům) als eigenständiger Gebäudetyp ist das Ergebnis der Arbeit linksgerichteter Architekten und gesellschaftlicher Nachfrage in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es handelt sich um eine utopische Vision, die auf der Idee des Social Engineering basiert, das eine Umgestaltung der Gesellschaft hin zum Kollektivismus anstrebte. In den Koldums sollten alle Funktionen, die der Mensch zum Leben benötigt, in einem einzigen Gebäude vereint sein. Zu den Koldom-Häusern sollten somit nicht nur Wohnungen gehören, sondern auch die gesamte städtische Infrastruktur, einschließlich Kindergärten, Kantinen und Freizeiteinrichtungen. Das erste in der Tschechoslowakei erbaute Koldom-Haus war das Kollektivhaus in Zlín des Architekten J. Voženílek. Das größte Projekt war dann das Kollektivhaus in Litvínov. Das Kollektivhaus in Litvínov entstand nach einem Entwurf, der im Rahmen eines 1947 durchgeführten Architekturwettbewerbs ausgewählt wurde, fertiggestellt wurde es jedoch erst 1958. Seine Architekten waren Václav Hilský und Evžen Linhart. Ursprünglich war geplant, sieben solcher Koldom-Häuser zu errichten, doch aufgrund der finanziellen Lage wurden die übrigen Objekte nicht realisiert. Stilistisch lässt sich das Koldům dem fortbestehenden Vorkriegsfunktionalismus oder der linken Avantgarde zuordnen. Am Haus lassen sich mehrere Inspirationsquellen ausmachen: Le Corbusiers Unité d'habitation in Marseille, die sowjetische linke Avantgarde der 1920er Jahre (M. J. Ginzburg, die Brüder Leonid) sowie die Generation des tschechoslowakischen Vorkriegsfunktionalismus, der Hilský angehörte. Man kann jedoch mit einer gewissen Übertreibung sagen, dass mit diesem Haus die Avantgarde in der Tschechoslowakei für lange Zeit zu Ende ging. Das symmetrisch komponierte Gebäude besteht aus zwei abgewinkelten, dreizehnstöckigen Flügeln, die Wohnungen beherbergen, und einem dazwischenliegenden siebenstöckigen Flügel, der öffentliche Einrichtungen wie eine Kinderkrippe, einen Kindergarten, Waschküche, Gemeinschaftskühlschrank, Kantine, Geschäfte usw. Es gibt drei Wohnungstypen: Maisonettewohnungen (zweigeschossig) 3+1, 2+1 und Einzimmerwohnungen. Insgesamt umfasst Koldům 352 Wohnungen für 1400 Mitarbeiter des Chemiekombinats in Záluží bei Most. In Záluží stand ein Einfamilienhaus, das in den Proportionen einer Maisonette-Wohnung im Koldům erbaut wurde, allerdings ohne die im Koldům verwendete Fußbodenheizung. Praktisch noch vor der vollständigen Fertigstellung des Hauses erwies sich die Idee des Koldům als nicht realisierbar. So fungierte das Koldům später und fungiert bis heute eigentlich als gewöhnliches Wohnhaus mit kleinen Wohnungen. Ein Problem bleibt jedoch die gewisse Unanpassbarkeit des Hauses an spätere Wohnanforderungen, was sich beispielsweise in der Größe der Küchen zeigt, da man von einer Gemeinschaftsverpflegung im Speisesaal ausgegangen war. Der mittlere Teil dient heute als Restaurant, das Hotel wurde geschlossen. Auch einige andere Räume dienen nicht mehr dem ursprünglichen Zweck und warten auf eine Nutzung. Das Schwimmbad hinter dem Koldom erfüllt seinen Zweck bis heute.
Quelle:https://cs.wikipedia.org/wiki/Kolektivn%C3%AD_d%C5%AFm_in_Litv%C3%ADnov%C4%9B
Eindrücke:Ein interessantes Gebäude, das aussieht, als stamme es aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, aber offensichtlich älter ist.