Die Geschichte dieses Ortes
In der vergessenen Landschaft des untergegangenen Dorfes Grün bei Mühlessen stand einst ein Anwesen, das über Generationen hinweg Zeuge des alltäglichen Landlebens und stiller Beobachter des Zeitenwandels war. Seine Geschichte reicht mindestens bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück, wie die Karte des Stabilen Katasters aus den Jahren 1824–1843 belegt; aufgrund seiner Konstruktionselemente könnte es jedoch noch älter gewesen sein. Das Anwesen wurde als geschlossener Bauernhof errichtet – praktisch und funktional, zugleich aber von außergewöhnlichem architektonischem Reiz.
Drei Wirtschaftsgebäude umschlossen den Hof rund um ein Wohnhaus, das verschiedene, für das Egerland typische Bautechniken miteinander verband. Ein Teil des Wohngebäudes war gemauert und zweigeschossig, während der andere durch seine traditionelle Konstruktion auffiel: Über dem gemauerten Erdgeschoss erhob sich ein Blockbaukranz, an den sich ein Fachwerkobergeschoss unter einem Satteldach anschloss. Die Vorderseite des Hauses wurde von einem Fachwerkgiebel mit einer kleinen Nische für eine Heiligenfigur bekrönt – ein beliebtes Detail, das dem Haus nicht nur eine schützende, sondern auch eine geistliche Dimension verlieh.
Diese Gestalt ist auch auf einer wertvollen Fotografie aus dem Jahr 1905 festgehalten, auf der das Anwesen nicht nur als wirtschaftliches Zentrum, sondern auch als kulturell geprägtes Ensemble erscheint. Gegenüber dem Hof stand ein schön geschnitztes Holzkreuz – ein schlichtes, aber gerade deshalb umso eindrucksvolleres Symbol des Glaubens und des Alltagslebens, wie es für das böhmische Land typisch war.
Leider ereilte dieses Anwesen dasselbe unerbittliche Schicksal wie das gesamte Dorf Grün. Im Jahr 1973 wurde das Dorf amtlich aufgehoben, und alles, was von ihm geblieben war – Häuser, Kreuze und Erinnerungen –, wurde erbarmungslos dem Erdboden gleichgemacht. Heute sind nur noch eine leere Stelle in der Landschaft, einige Fotografien und ein Eintrag im Gedächtnis der Geschichte geblieben. Dennoch bleibt dieses Anwesen ein Zeugnis handwerklichen Könnens, bäuerlichen Geistes und jener würdevollen Schönheit, die in jedem Detail der hiesigen ländlichen Baukunst lag.
Fotoquelle: http://zanikleobce.cz/index.php?obec=6455
Ein einst malerisches Anwesen, das leider bis heute nicht erhalten geblieben ist.
Eindrücke vom Besuch · Miroslav Vytiska


