„Der Himmel wird sich verdunkeln, die Erde wird sich öffnen, und die Schreie der Verdammten werden durch alle Ewigkeiten hallen.“
— Novae Revelationes 99:24
Während der Krieg gegen die Diener der Hölle tobt, quälen seltsame Visionen Gläubige auf der ganzen Welt. Männer und Frauen, die vom Himmel berührt wurden, erhalten Visionen und Offenbarungen von Gottes Boten. Schwestern heiliger Orden sind von Stigmata gezeichnet und nehmen auf Anweisung der Engel Schwert und Kreuz in die Hand. Diejenigen, die sich schuldig gemacht haben, versuchen, ihre Sünden zu sühnen, indem sie so viele Anhänger des Teufels wie möglich mit ins Jenseits nehmen.
Und so kommen sie, die Wahnsinnigen und Verstümmelten, von Gott Berührte und von Schuld Geplagte; sie alle versammeln sich um die Propheten und Prophetinnen und bilden Prozessionen von Pilgern, unorganisierte Gruppen, die sich bewaffnen und den Propheten des Herrn an die Front folgen. Sie kämpfen mit unvergleichlicher Leidenschaft, stürzen sich auf die Ketzer und bewaffnen sich mit allem, was ihnen in die Hände fällt, von den ältesten Musketen bis hin zu Peitschen und Molotowcocktails.
Die Pilger sind vom Heiligen Stuhl zwar nicht offiziell anerkannt, doch segnet die Kirche die Kreuzzüge der Gläubigen dennoch. Pilgerzüge sind daher ein alltägliches Phänomen auf den Schlachtfeldern, wo sie oft über das Niemandsland hinweg in selbstmörderischen Angriffen gegen Ketzer vorstoßen, geleitet von den Visionen der Propheten und Prophetinnen, die sie anführen, und angetrieben von den Peitschen der Züchtiger, deren Aufgabe es ist, ihren Soldaten die Furcht vor Gott einzuflößen.
Die meisten Pilger sind Männer und Frauen mit minimaler militärischer Ausbildung, doch sobald sie den eisernen Helm eines Grabenpilgers aufsetzen, können sie selbst den Dämonen aus den tiefsten Bolgien der Hölle ohne mit der Wimper zu zucken die Stirn bieten. Selbst der Tod muss nicht unbedingt das Ende ihrer Mission bedeuten: manchmal erachtet der Siebte Metakristus einen gefallenen Pilger als würdig und bringt ihn als Märtyrer der Buße zurück – als Krieger an der Grenze zwischen Himmel und Erde, der wieder kämpfen kann, ohne den Schmerz einer Kugel oder eines Bajonettstichs zu spüren.
Seltener und gefährlicher sind die stigmatisierten Nonnen: heilige Schwestern, die dieselben Wunden tragen wie der dritte Metachristus, den die Nonnen verehren. Sie zeichnen sich im Nahkampf aus, denn jede blutende Wunde, die sie erleiden, macht sie stärker statt schwächer, da ihre Hingabe an das Leiden, das ihr Herr einst erdulden musste, ihnen eine Kraft und Ausdauer verleiht, über die gewöhnliche Sterbliche nicht verfügen. Mit Schwertern und Pistolen bewaffnet durchqueren sie das Niemandsland ungeachtet der Gefahren und beten darum, für den Erlöser Wunden zu erleiden, die sie zur Rache des Herrn selbst verwandeln.
Vor den Grabenpilgern werden kirchliche Gefangene hergetrieben: entweder gefangene Feinde des wahren Glaubens, die zu einem letzten Akt der Buße gezwungen werden, oder freiwillige Sünder, die Erlösung suchen. Jeder von ihnen ist an Sprengsätze gefesselt, die gezündet werden, sobald sie die feindlichen Linien erreichen. Sie stürzen sich über das Todesfeld in der Hoffnung, entweder die Explosion auf wundersame Weise zu überleben und zu entkommen oder – je nach ihrer Überzeugung – so viele Anhänger Luzifers wie möglich mit sich in den Tod zu reißen.
Die mächtigste Pilgerprozession wird vom Heiligtum des Anchoriten begleitet: ein etwa zwölf Fuß hoher Metallkoloss, ein lebender Kriegsaltar, der nahezu völlig unempfindlich gegenüber jeglicher Beschädigung ist. Das Innere des Anchorits ist mit Stacheln und spitzen Haken übersät, sodass der Mönch, der diesen Koloss beherrscht, in einem ständigen Zustand der Qual lebt und sich am Schmerz erfreut, um so leiden zu können, wie einst sein Herr gelitten hat. Im Kampf setzen sie riesige Brechräder aus Adamantin ein, mit denen sie Sünder und Ketzer zu Brei zermalmen und sie anschließend als Warnung für andere auf das Rad aufreihen.
Die Anzahl und Vielfalt der Prozessionen der Grabenpilger ist überwältigend: Die Büßer der frommen Rache schwören im Namen der Heiligen Olga und setzen Flammenwerfer, Brandgranaten und Brandmunition ein, um die Ketzer anzugreifen. Die Pilger des Eisernen Pfades folgen der Heiligen Rita von Cascia und ziehen mit Hämmern, Keulen, Streitkolben und Knüppeln in den Kampf; dabei schlagen sie sich Nägel in den Kopf, zum Gedenken an die Heilige, die sie verehren. Die thebanischen Legionäre aus Rom tragen auf ihren Standarten die Köpfe von Ketzern zum Gedenken an ihren Schutzpatron, den Heiligen Mauritius. Sie kämpfen mit Schwertern und anderen Klingenwaffen und wetteifern untereinander um die Anzahl der gesammelten Ketzerköpfe.
Die Pilger der Prozession des Heiligen Leidens sind bekannt für ihren Eifer im Nahkampf, ihre mit Ikonen verzierte Rüstung und ihre Schilde mit Heiligenbildern, die trotz ihres Aussehens Maschinengewehrkugeln widerstehen, sowie durch die Mühlsteine, die sie bei sich tragen, um sie den Sündern um den Hals zu binden, bevor sie diese im Schlamm und Blut des Niemandslands ersticken.
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